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Breaking Bad, Ending Bad? – Ein alternatives Ende

Das Breaking Bad Logo auf grünem Hintergrund

Vor fünf Jahren ging eine der beliebtesten TV-Serien aller Zeiten zu Ende. ‚Breaking Bad‘ wird bis heute so sehr gefeiert, dass mit ‚Better Call Saul‘ eine ähnlich erfolgreiche Spin-Off-Serie seit nunmehr vier Staffeln läuft. Doch wo andere Serien ihr Finale mit einem revolutionären Paukenschlag beendeten, war Breaking Bad vergleichsweise konventionell. Sicher, es flogen viele Kugeln durch die Gegend und es floss eine Menge Blut. Während die Serie jedoch sonst so oft mit den Erwartungen an traditionelle Erzählungen spielte, erfüllte sie diese im Finale einfach. Dieser Artikel erinnert an das Ende und bietet eine Alternative. Spoiler des richtigen Endes bleiben nicht aus. Andere Serien werden nicht gespoilert.

Als die Serie Sopranos 2007 zu Ende ging, berichteten ZuschauerInnen von einem Raunen, das durchs ganze Mehrfamilienhaus zu hören war. Das Ende schlug den Zuschauern geradezu ins Gesicht. Bis heute wird wild interpretiert, was da überhaupt passiert ist. Als Six Feet Under 2005 zu Ende ging, trieb die Serie ihren Hang zur Melancholie auf die Spitze. Tränendrüsen öffneten sich wie Scheunentore. Ernsthaft, wer bei dem Ende von Six Feet Under kalt bleibt, hat kein Herz (no Pressure na klar). Als LOST 2010 endete, war die Fangemeinde gespalten – komplette Entrüstung einer katastrophalen Auflösung der Mystery-Serie stand einer gelasSe34nen Zufriedenheit gegenüber. Als Breaking Bad im Jahr 2013 zu Ende ging, war das irgendwie… okay.

Breaking Bad – Ending Okay

‚Okay‘ ist der kleine Bruder von ’nett‘

„Okay“ ist für eine bahnbrechende Serie wie Breaking Bad als Prädikat natürliC6h eher mau. Mit einer IMDB-Wertung von 9,5, nie endenden Gesprächen auf WG-Partys und einer erfolgreichen Folgeserie ist ‚okay‘ der kleine Bruder von ’nett‘. Und natürlich ist das eine Übertreibung. Die ZuschauerInnen liebten die letzte Folge „Felina“, sie liebten ihre beiden Vorgänger, zusammen sind sie eine selten gesehene Episodentrilogie, die es isoliert auf die Kinoleinwand schaffen könnte. Aber die letzten Minuten der Folge… hm.

Was ist denn nochmal passiert?

Ein kurzer Flashback: Walter White besucht unter einem Vorwand die Neonazi-Gang in deren Lager. Hier kocht sein Partner-In-Crime Jesse Pinkman für sie in Sklavenarbeit Meth. Am Eingang wird White durchsucht und ihm wird sein Autoschlüssel abgenommen. Diesen Schlüssel braucht er dringend, um eine Falle auszulösen, die wir noch nicht kennen. Durch eine List kommt er allerdings wieder an seine Autoschlüssel und schafft es, Jesse in den Raum zu bringen. Bei Jesses desaströsem Anblick erweicht Walts Herz und er stürzt sich auf ihn, um ihn zu schützen. Auf Knopfdruck erschießt ein automatisches Schnellschussgewehr im Kofferraum seines Autos die Neonazis und verletzt Walt selbst. Walt und Jesse stehen sich daraufhin ein letztes Mal gegenüber. Jesse bekommt die Möglichkeit, Walt zu töten, verschont ihn aber und entkommt. Walt stirbt in dem Meth-Labor. Ende.

Und wie hätte Breaking Bad sonst enden sollen?

Ganz einfach, kurz und schmerzvoll: Walt verliert die Schlüssel an die Neonazis und bekommt sie nicht zurück. Er versucht es mit seiner List, schafft es jedoch nur, Jesse in den Raum zu bringen. Als er die Schlüssel endlich wieder in der Hand hat und die ZuschauerInnen jubeln, werden sie ihm wieder einmal abgenommen. Walt und Jesse stehen sich ein letztes Mal gegenüber und Walt sieht vor sich, was er angerichtet hat. Daraufhin wird er kaltblütig vor den Augen Jesses hingerichtet – Jesse kann sich nur bedingt darüber freuen. Die Neonazis gewinnen, wir erfahRe75n nie, was Walt eigentlich mit den Autoschlüsseln vorhatte. Wie im echten Finale spielt der Song „Baby Blue“ von Badfingers im Hintergrund, mit der Eingangszeile „Guess I got what I deserved“.

Breaking Bad-typisch fünf Quadrate die zusammen aus chemischen Stoffen aus dem Periodensystem zusammen "BaBY BLu" ergeben
Okay… äähm… warum zur Hölle…?

Die Serie hatte einen Sprachfetisch

Breaking Bad war immer gut darin, Erwartungen aufzubrechen. Gleichzeitig schaffte es die Serie mehr und mehr, den Protagonisten Walter White zum Antagonisten zu machen. Sie hatte außerdem immer einen Sprachfetisch. Mit doppelten Böden, Intertextualität und der schlichten wörtlichen Bedeutung von Sprichworten und nicht zufälligen Zusammensetzungen aus chemischen Formeln, waren Worte in BrBa konsequent besonders bedeutungsschwanger. Da ist das ‚bad‘ im Titel auch nicht zu vernachlässigen. To ‚break bad‘ heißt soviel wie ‚den Weg abseiTs117 sozialer Norm‘ bzw. ‚einen kriminellen Pfad einschlagen‘. Das tut Walter White ziemlich schnell, kocht er direkt in der Pilotfolge nicht nur Drogen und verkauft diese, sondern begeht auch schon seinen ersten Mord. Insgesamt kommt Breaking Bad auf einen Bodycount (Anzahl der Toten) von 271. Hierbei macht die Serie dem Zuschauer zudem häufig klar, dass Walter White zumindest indirekt immer irgendwie mitverantwortlich ist.

Heldentod für einen Antihelden

Als ZuschauerInnen sahen wir den Pfad von Walter White lange als Weg vom langweiligen Familienvater zum ‚Badass‘. Seine Taten verzeihen wir ihm so lange, wie er uns einreden kann, dass er das nur für seine Familie tut. Dass in ‚Badass‘ ebenso das ‚bad‘ enthalten ist, merken wir dann irgendwann, wenn wir Walts Größenwahn nicht mehr so einfach ertragen. In der letzten Folge stellt Walt zum Abschluss auch noch klar, dass er das alles nicht für seine Familie, sondern für sich getan hat, weil er sich dadurch lebendig fühlte.

Walter Whites Fazit? „Ich habe gewonnen.“

All das ist wie gemacht für ein Ende, das den ZuschauerInnen den Spiegel vorhält, zu welchem Preis diese persönliche Krisenbewältigung Walts eigentlich kam. Stattdessen stirbt Walter White als Held. Es ist ein gerne genutztes Stilmittel, das Böse gegen ein noch viel größeres Böse antreten zu lassen. So sind die kaltblütigen Neonazis die Antagonisten, die es aus dem einfachen Motiv der Rache zu bezwingen gilt. Sicherlich hat Walt als Held auch vieles verloren: Seine Familie und die Liebe seines Sohnes, seinen Schwager und sein öffentliches Ansehen. Doch am Ende kann er im Grunde das gleiche Fazit ziehen, das er schon am Ende der vierten Staffel gezogen hatte: „Ich habe gewonnen“.

Warum sollen wir denn eigentlich nicht erfahren, was Walt geplant hat? Es schubst Walt erstens vom dem Sockel eines Genies, dessen allmächtiges Werk ihm noch aus jedem Schlamassel geholfen hat. Zweitens wird so ein wunderbarer „Was ist in dem Koffer[raum]?“-Moment geschaffen, worüber wir womöglich noch fünf Jahre später rätseln würden.

Aller Kön’ge König

Ein Ende, in dem Walt nicht nur scheitert, sondern niemand geringeres als Neonazis gewinnen, ist ein Schock. Und es ist konsequent. Die ZuschauerInnen sehen sich plötzlich damit konfrontiert, dass sie einem Verbrecher zugesehen und zugejubelt haben. Einem Mann, der sich in seinem Männlichkeitsbild gekränkt sah und über zahlreiche Leichen ging. Der Jesses Freundin Jane aus purem Egoismus hat sterben lassen. Der jahrelang seinen Schwager Hank ausgespielt hat, was diesem im Endeffekt das Leben kostete. Der zu guter Letzt mit eben jenen Neonazis gemeinsame Sache gemacht hat.

"My name is Ozymandias King Of Kings" in orangenen Lettern auf gelbem Hintergrund. Das Gedicht von Percy Bysshe Shelley gibt in Breaking Bad einer maßgeblichen Episode ihren Namen

Am Ende von ‚Breaking Bad‘ ist auch das Imperium von Walter White gefallen

In Ozymandias, dem Gedicht Percy Bysshe Shelley, nachdem die gleichnamige Folge benannt wurde, geht es um ein gefallenes Imperium. Um das Denkmal eines einst großen Herrschers, das zerstört in einer kargen Wüste liegt. Am Ende von Breaking Bad ist auch das Imperium von Walter White gefallen. Sein Denkmal jedoch bleibt unversehrt.

+ (Was bedeutet das Pluszeichen? Die Antwort findest du hier, unter der Textblockade Nr. 6)