Schlagwort: Ready Playe One

Ready Player One: Ist die OASIS ein gutes Spiel?

Die OASIS ist ein System, das nur mit Geld funktioniert. Das Bild zeigt eine VR-Brille mit der Aufschrift "Insert Coin".

Virtual Reality bleibt noch immer hinter den Erwartungen zurück. Eine vielversprechende Technologie, die Immersion verspricht, sicher. Doch die Brillen sind gegenwärtig noch zu teuer und die Spiele nicht gut genug. In der ‘OASIS’ ist das anders. Das Spiel in dem Roman ‘Ready Player One’ verspricht die Zukunftsvision eines VR-Spiels, in dem sich fast jeder verliert. Hier können Spielende tun und lassen, was sie wollen. Im Kern steht eine Schnitzeljagd: Wer die popkulturell aufgeladenen Rätsel entschlüsselt und gewinnt, erbt den gesamten Besitz des Lead-Designers James Halliday, inklusive des Spiels. Ein genauerer Blick verrät jedoch, dass die spielerische Utopie gar nicht so rosig aussieht. Denn Spielende von heute würden die ‘OASIS’ schwer bestrafen. Dieser Artikel ist keine Rezension. Er nimmt den Roman ernster als er es selbst je tun würde und führt auf Grundlage dessen ein Gedankenexperiment durch.

Wade Watts, der Protagonist des Romans Ready Player One loggt sich in die OASIS ein. Damit loggt er sich quasi aus seiner tragischen Existenz als verarmter Teenager in einer Dystopie aus. In der OASIS angekommen, kann er quasi alles machen. Jeden Film gucken, jedes Spiel spielen, Musik hören, Leute treffen – hier sind ihm vermeintlich keine Grenzen gesetzt. Richtig gelesen, vermeintlich. Denn in der OASIS hat es gerade jemand wie Wade Watts schwer. Wade hat nämlich kein Geld in der realen Welt. Die OASIS kostet inklusive Hardware nur 25 Cent, in Anlehnung an den Vierteldollar, den man einst in Arcade-Maschinen in der Spielhalle steckte. Damit ist die OASIS quasi free-to-play, also so günstig, dass jeder sich Spiel und Gerät leisten kann.

(Un-)Ready Player One: Pay to play

Das Spiel läuft dementsprechend allerdings auch unter pay-to-win. Nur wer Echtgeld in das Spiel reinsteckt, hat die Möglichkeit, sich frei zu bewegen. Transportation kostet Geld, also Teleportation oder auch Treibstoff, falls man sich für Geld ein Raumschiff gekauft hat. Zwar ist es ab einem bestimmten Punkt möglich, diese Ausgaben mit der virtuellen Währung zu bestreiten, die man durchs Spielen verdient. Doch das ist auch nur begrenzt möglich und um dort erst einmal hinzukommen, benötigt es eine Startinvestition.

Grenzen sind programmatisch für dieses Spiel

Auf dem Ausgangsplaneten für Avatare gibt es keine Möglichkeiten, Credits zu sammeln oder seinen Level zu verbessern. Auf anderen Planeten blühen dagegen Fantasy- und Science-Fiction-Welten. Der Herr Der Ringe-, World Of Warcraft– oder Star Trek-Planeten lassen sich in virtueller Realität spielerisch erkunden. Die meisten Oasis-Einwohner scheint das nicht allzu sehr zu interessieren, da sie die OASIS lieber als soziales Netzwerk verwenden. Das ist allerdings erstens ein schwacher Trost für jene, die spielen und sich an dem Contest beteiligen wollen und zweitens auch ein Armutszeugnis für ein Spiel mit unbegrenzten Möglichkeiten. Doch Grenzen sind programmatisch für dieses Spiel in dieser Welt.

OASIS: Bitte Geld einwerfen

Wer mehr Geld hat, hat auch mehr Macht

Die OASIS ist strukturell leider nicht mehr als ein Abbild der dystopischen Realität von Ready Player One. Hier ist die Schere zwischen Arm und Reich so weit auseinandergedriftet, dass die verarmte Mehrheit handlungsunfähig ist. Wer mehr Geld hat, hat auch mehr Macht. Da ist es kaum verwunderlich, dass rund um den Contest auch wirtschaftliche Interessen entstehen und bestens blühen können. Mit Innovative Online Industries (kurz IOI) hat sich eine bezahlte Armee rund um den Contest gebildet. Mit schier endlosen wirtschaftlichen Mitteln kann das Unternehmen Spielende bezahlen sowie Waffen und Fahrzeuge en masse kaufen. Die Soldaten, die sogenannten Sechser, sind im Grunde kein ungünstiges Nebenprodukt des Contest, sondern eine Konsequenz aus schlechtem Design.

“Mit Wissen gewinnst du die halbe Schlacht.”
Wade Watts

Wade hat mit diesem Statement natürlich nicht Unrecht. Der Contest ist auf popkulturellen Rätseln aufgebaut, die ein enormes Wissen abverlangen. Doch mit Geld gewinnst du die erstens andere Hälfte. Und zweitens haben gerade Zusammenschlüsse von Spielenden viel bessere Chancen für den Contest. Da es um viel Geld geht, entsteht keine freudige Community um OASIS, die online Geheimnisse austauscht. In Gruppen jedoch, die sich den Gewinn teilen wollen, arbeitet man zusammen. So hat IOI einen immensen Vorteil gegenüber einem Wade Watts, der alleine vorgeht. Dieser Vorteil heißt Schwarmintelligenz. Die einzige Erklärung, dass die Sechser nicht schon nach kürzester Zeit alle Rätsel geknackt haben, ist nur darin zu finden, dass sie allesamt böse auf den Kopf gefallen sind.

Ready P(l)ayer One

In Anbetracht dieses Gamedesigns kann man davon ausgehen, dass Spielende von heute bei einer Veröffentlichung der OASIS nicht sehr erfreut wären. Zwar verteidigen Fans häufig ihre liebsten Spiele und Spielentwickler vehement vor Kritik. Viele sehen noch immer über Rassismus und Sexismus in der Gamesbranche hinweg. Eine Sache jedoch dulden sie nicht und strafen Spiele mit Boykott: Mikrotransaktionen. Echtgeldkäufe, die im Spiel einen Vorteil bewirken.

Abgesehen vom Contest scheint die OASIS auch kein übergeordnetes Narrativ zu bieten. Es ist zwar immer von Quests die Rede, also Aufgaben, die es zu erledigen gibt. Diese scheinen jedoch nicht wirklich zusammen zu hängen und aus dem bunten Popkultur-Potpourri der OASIS zusammengewürfelt zu sein. Ein Spiel, in dem Spielende alles machen können, hört sich zwar gut an, es fehlt jedoch ein Fokus. Hier könnten Grenzen und Regeln das Spielerlebnis tatsächlich aufwerten. Die Inhalte auf den Planeten, die altbekannte Narrative wie z.B. Der Herr Der Ringe versprechen, stammen nicht von James Halliday selbst, sondern von anderen Entwicklern, die sich dem System der OASIS beugen müssen.

Das wirft auch ein schummriges Licht auf die die Monopolstellung des Spiels. Das zuständige Unternehmen Gregarious Simulation Systems (kurz GSS) flutet mit seiner wirtschaftlichen Übermacht den VR-Markt. Neue Spiele erscheinen demnach innerhalb der OASIS. Andere Systeme scheinen in der Welt von Ready Player One nicht mehr zu existieren. Dagegen wäre ein Spiel, auf dem man zu Anfang nur auf einem Planeten leben könnte, der keine Möglichkeiten bietet, sofern man nicht dafür bezahlt, ein guter Anlass, ein anderes Spiel zu spielen.