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Braune Botschaften: Rechtsextreme Songtexte von Burzum

Auf dem Bild sind die Wörter "Musik" und Politik direkt übereinander geschrieben, sodass sie schwer auseinander zu halten sind

Ein T-Shirt erregte Aufsehen: Daniel Vávra, ein Entwickler des Games ‘Kingdom Come: Deliverance’, trug den Namen Burzum während eines Pressetermins auf der Brust. Dabei ist es bekannt, dass der Kopf dieser norwegischen Metalband ein überzeugter Rassist ist. Burzum ist bei Fans damit wahrscheinlich eins der Paradebeispiele für den Willen, den Künstler von der Kunst zu trennen. Varg Vikernes sei ein Spinner, so heißt es häufig. Solange aber dessen Musik selbst unpolitisch sei, könne man diese getrennt von ihm bewerten. Da lohnt sich doch ein Blick auf die Texte der Band, um zu überprüfen, ob sie denn überhaupt unproblematisch sind. Es stellt sich heraus: Der hier besprochene Songtext transportiert offen nationalsozialistisches Gedankengut.

Ein T-Shirt von Burzum zu tragen ist im Grunde schon Alarmsignal genug. Varg Vikernes ist ein verurteilter Mörder und für seine Ansichten in der Szene berüchtigt. Auf einem Presseevent mit Interviews vor laufenden Kameras das Logo der Band zur Schau zu stellen, kann man also durchaus als Statement werten. (Was ist eigentlich passiert? Es ging in der Geschichte natürlich nicht nur um ein Shirt. Hier soll es aber vor allem um Burzum gehen. Eine Zusammenfassung liest du hier.) Das Statement könnte zum Beispiel die offen rechtsradikale Gesinnung von Vikernes stützen. Das Argument, nur die unpolitische Musik damit unterstützen zu wollen, ist nicht unproblematisch. Fans bringen es jedoch gerne bei einer solchen Thematik hervor. Burzum sei ein großer Einfluss auf den Black Metal gewesen, deshalb wollen sich viele von der Musik nicht lösen. Was ist jedoch, wenn schon die Musik ebenfalls klare politische Botschaften transportiert?

Kontaminierte Begriffe in der Alltagssprache

Die Nationalsozialisten lenkten die Sprache bewusst als politisches Instrument.

Einige Begriffe unserer Alltagssprache sind seit dem Nationalsozialismus mit dessen Ideologie belastet. Häufig ist das den Sprecherinnen und Sprechern gar nicht bewusst. Ein Beispiel ist der Begriff ‘Drittes Reich‘, der heute alltäglich synonym mit der NS-Zeit genutzt wird. Dabei ist der Begriff ein ideologisch gefärbter Propagandabegriff, den die Nazis für sich beanspruchten und umdeuteten. Sie überließen dabei nichts dem Zufall und lenkten die Sprache bewusst als politisches Instrument. Die Propaganda war damals also so fest mit der Sprache verwoben, dass sie noch heute darin zu finden ist.

Ein weiteres bekanntes Beispiel ist der Ausdruck ‘Jedem das Seine’, der am Haupttor des Konzentrationslagers Buchenwald zu lesen war. ‘Jedem das Seine’ war ursprünglich ein Prinzip für Verteilungsgerechtigkeit, das auf philosophische Theorien der Antike zurückgeht. Die Nazis haben es für sich beansprucht und umgekehrt. Aus einem Spruch, der für eines Jeden Recht einsteht, machten sie somit die zynische Behauptung, die KZ-Insassen hätten ihre Strafe verdient.

Das Bild zeigt den Spruch "Jedem das Seine" an der Eingangstür des Konzentrationslagers Buchenwald

Der Schriftzug im Konzentrationslager Buchenwald war so angebracht, dass er für die Gefangenen von innen zu lesen war. Bild: Clemensfranz (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons.

Die hier thematisierten Texte von Burzum sind teilweise überraschend direkt und gehen über unterschwellig kontaminierte Begriffe hinaus. Der Songtitel “Envher Till Sitt” vom Album Fallen (2011) wird auf der Website* mit “Each Man To His Own” übersetzt, zu deutsch: “Jedem das Seine”. Der Zusatz in der englischen Tracklist “meaning ‘Each Man Gets What He Deserves'” macht noch einmal deutlich, wohin die Reise genau gehen soll. Man könnte es sonst ja glatt im philosophisch-moralischen Sinne verstehen. Wem das noch zu weit hergeholt ist, schaut sich den nächsten Song an. “Budstikken”, der den deutschen Titel “Die Botschaft” trägt, beinhaltet ganz offensichtliche nationalsozialistische Ideologien.

Die Botschaft von Burzum

In dem Song “Budstikken” greift Burzum die Rassentheorie der Nazis auf.

Der Song ist ein Schlachtruf (“Die Axtzeit ist gekommen”), was unter einem Aspekt besonders bedenklich ist: In “Budstikken” greift Burzum die Rassentheorie der Nazis auf. Diese Theorie beruht auf dem Konzept einer ‘nordisch-arischen Herrenrasse’. Häufig ist dort von Blut die Rede. Wer ‘guten Blutes’ war, hatte solange wenig zu befürchten, bis er sich der sogenannten ‘Rassenschande’ schuldig machte. Darunter verstanden die Nazis vor allem die Ehe und sexuelle Kontakte mit Juden. In dem Song “Budstikken” ist nun wortwörtlich die Rede von der “Erinnerung des göttlichen Blutes. / Nicht geschändet. Nicht beschmutzt. / Asgards rotes Gold.” (Asgard ist ein Ort in der nordischen Mythologie.)

Nun könnte man vielleicht gerade noch so argumentieren, dass das im Black Metal nicht ungewöhnlich sei. Krieg, Blut und nordische Mythologie treffe man hier doch immer wieder an. (Auch wenn man damit den Aspekt des ‘nicht beschmutzten’ Blutes ausklammert.) Aber das war noch nicht alles. “Vorwärts für König und Vaterland” heißt es da später im Text und fügt dem noch eine Portion Nationalismus hinzu. Doch die folgende Zeile setzt dem Text die Krone auf klebt dem Text das Bärtchen an: “Vorwärts für all unser Blut und all unseren Boden.”

In diesem Teil zitiert Burzum Nazirhetorik wortwörtlich. Es steht nicht zwischen den Zeilen, sondern mittendrin: ‘Blut und Boden‘ ist eine agrarpolitische Ideologie, die die Nationalsozialisten aktiv propagierten. Sie fußt darauf, dass einer gewissen Abstammung auch ein gewisser Boden zustehe. Die Ideologie diente somit als Legitimierung einer ‘Eindeutschung’ und der Eroberung anderer Länder. Das ist nicht zu unterschätzen. Nicht zuletzt jubelt der Song in Form eines Schlachtrufes den Konsumenten hier einen zutiefst rechtsextremistischen Code unter.

Die Botschaft von Varg Vikernes

Die Gesinnung ist zweifellos drin.

Es wäre jetzt möglich, diese Argumentation noch durch Interview-Aussagen von Varg Vikernes zu unterfüttern. Doch das ist hier nicht das Thema: Hier geht es um die Musik, die die Fans so gerne vom Musiker trennen würden. Es zeigt sich jedoch allein in seinen Texten: Sie sind nicht zu trennen. In dem Moment, in dem ein Rechtsextremer diese Zeilen singt, lässt sich auch nichts mehr mit nordischer Mythologie relativieren. Die Gesinnung ist zweifellos drin. Das Werk von Burzum ist spätestens mit dem Album Fallen mit rechtem Gedankengut assoziiert. Der Name Burzum steht also dafür. Jedes T-Shirt mit dem Aufdruck steht dafür. Das ist nicht vermeidbar.

Viele werden aus diesem Artikel nichts Neues gelernt haben. Dass man mit dem Konsum der Musik einen rechtsextremen Mörder unterstützt, war doch eigentlich allen klar. Aber niemand, der diesen Text gelesen hat, kann noch die Musik hören und den Vorwand vorschieben, sie sei unpolitisch oder nicht von Vikernes’ Gesinnung gefärbt.

 

*Hier steht ganz bewusst kein Link zur Website von Burzum, um dieser keine Plattform zu bieten. In diesem Artikel soll möglichst wenig von Varg Vikernes’ Gedankengut stehen. Es ist natürlich immer heikel, rechtextremes Gedankengut abzubilden, auch wenn es wie hier eindeutig in der Kritik steht. In der Diskussion ist nur genau das das Problem: Rechtes Gedankengut bleibt unkommentiert stehen. Die Relativierung von Burzums Songtexten ist fatal. Dieser Text ist deshalb eine Formalität, um das einmal klar zu stellen.


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